Geschichte

Carl Heine

Carl Heine (1819-1888) war der bedeutendste Organisator der Stadterweiterung Leipzigs in den 1840er-1880er-Jahren. Ab 1843 schuf er die Westvorstadt als komfortables Wohnviertel, ab 1850 verwandelte er die Bauerndörfer Plagwitz und Lindenau in aufstrebende Industriestandorte. Von seinem visionären Denken zeugt heute noch der rund zwei Kilometer lange Kanal in Plagwitz („Carl-Heine-Kanal„ erbaut 1856-1898, saniert 1993-2000, 2006 / 2007), dessen Verlängerung bis zur Saale einen Wasserweg nach Hamburg eröffnen sollte. Als Carl Heine starb, lebten statt der wenigen hundert Bauern rund 30.000 Menschen in Plagwitz und Lindenau. Firmen von Weltrang waren entstanden, die ihre Güter in alle Welt exportierten.

Quelle: Ulrich Krüger: Der Mann, der Leipzig zur Industriestadt machte Hrsg. Sächsisches Wirtschaftarchiv – Erfurt: Sutton Verlag GmbH, 2008, Tempus Biografie, ISBN: 978 - 3 – 86680-362-6

Plagwitz / Daten und Fakten

  • 1468 erstmalig urkundlich erwähnt während des 30-jährigen Krieges im Jahr 1637 von den Schweden ausgeplündert und niedergebrannt
  • am 16.10.1813 Gefecht bei Lindenau zwischen napoleonischen und preußischen Truppen (Völkerschlacht zu Leipzig)
  • 1844 Eröffnung der Gaststätte „ Der alte Felsenkeller“
  • 1856 Beginn eines Kanalbaus in Verbindung mit der aufkommenden Industrialisierung
  • 1862 fuhren bereits 16 Schiffe zum Transport von Waren und auch zur Personenbeförderung
  • (1938 wurde der Kanalbau wegen der hohen Kosten und Kriegsvorbereitung von den Behör-den eingestellt, der Durchstich zur Saale blieb unvollendet)
  • ab 1888 systematischer Bau von Straßen, Brücken, Wohnhäusern und Fabrikgebäuden
  • 1891 Eingliederung Plagwitz in die Stadt Leipzig
  • 1880er-1890er Jahre zunehmendes Zentrum der Leipziger Arbeiterbewegung
  • 1891 Gründung des Deutschen Metallarbeiterverband
  • Zentrum der Rüstungsindustrie im 1. Weltkrieg, Grossbetriebe entstehen, revolutionäre Massenaktionen während der Novemberrevolution 1918
  • während der Weltwirtschaftskrise 1929/1933 umfangreiche Aufträge für die Industrie aus der damaligen Sowjetunion
  • 1933-1945 Zentrum der Rüstungsindustrie und des antifaschistischen Widerstandes
  • schwere Bombenangriffe am 4.12.1943 und 20.02.1944 auf Leipzig, Plagwitz wird schwer getroffen
  • 18.04.1945 amerikanische Truppen rücken in Plagwitz ein, am 02.07.1945 folgen sowjetische Truppen
  • 1946 Enteignung von Betrieben der Rüstung bzw. Überführung in sowjetisches Eigentum, in Leipzig insgesamt 161 Betriebe (Volksentscheid in Sachsen)
  • 1949 - 1989 Industrielles Zentrum der DDR mit zeitweilig wissenschaftlich-technischen und technologischen Spitzenleistungen wie z.B. der Unternehmen „ Gisag“, „ Polygraph“, „ Kirow“
  • 1980er Jahre zunehmende Umweltprobleme und Zerfall wertvoller Bausubstanz aus der Gründerzeit und in der Infrastruktur, zunehmend sichtbare kritische Haltung vieler Plagwitzer Bürger zur herrschenden Politik
  • gesellschaftlicher Umbruch im Herbst 1989, 1990er-Jahre tiefgehende Deindustrialisierung, ein Leipziger Stadtteil im Wandel
Karl Heine Portrait

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Villa Carl Heine

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